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Frau im Recht

Frau im Recht

von Eva Ricarda Lautsch

Feminismus ist zunächst ein Schlagwort. Assoziationen: 70er Jahre, Alice Schwarzer, Frauenbewegung, Männerhass und unrasierte Beine. Die vielfältigen Konnotationen des Begriffs lassen ahnen, dass sich nicht jede junge und emanzipierte Frau gern eine Feministin nennt – zu sehr ist die Bezeichnung mit Unweiblichkeit und anderen negativen Aspekten verwoben. Doch ist die Gleichheit bereits erreicht, hat sich die Bewegung also selbst abgeschafft?

Keineswegs. Die öffentliche Diskreditierung des Begriffs, nicht zuletzt durch machtvolle Publikationsunternehmen wie den Springer-Verlag, mag einen zunächst glauben machen, dass Feminismus erstens überflüssig, zweitens gestrig und drittens unweiblich ist. Der Wunsch jedoch, als Frau einen Beruf auszuüben, mit Männern auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten, Familie und Karriere zu haben ist jedoch gerade im universitären Umfeld omnipräsent. Das Jurastudium als einstige Männerdomäne erscheint bei vollen Hörsäälen mit 50 Prozent weiblichem Anteil in den Bankreihen als Bild der Vergangenheit – und doch liegt der Anteil der Professorinnen an den juristischen Fakultäten bei nicht viel mehr als drei Prozent. Ebenso ist ein Großteil privatwirtschaftlicher Führungspositionen männlich besetzt, die Gleichstellung der Löhne zwischen den Geschlechtern kann bei weitem nicht als vollzogen betrachtet werden und auch im Privaten werden traditionelle Rollenbilder weiter zementiert.

Ein Alltagsbeispiel: bei der schwedischen Möbelhauskette unseres Vertrauens findet man Wickeltische auf Herrentoiletten. Man bemerkt dies anhand des Hinweisschilds mit einem erfreuten Grinsen während wenig später die Abwesenheit einer solchen Ausstattung für Väter an den meisten anderen öffentlich zugänglichen Plätzen bewusst wird (siehe hierzu die treffende Beobachtung bei http://maedchenmannschaft.net/wickeltische-fur-die-gleichberechtigung/) . Nach wie vor gilt die Frau in einer heterosexuellen Partnerschaft als maßgeblich für die Kindererziehung zuständig.

Das von Vorurteilen zerknickte Bild des Feminismus auffrischend empfehle ich zunächst einen Blick ins Internet. Hinter vielen Blogs stehen junge Frauen (- und Männer!), welche Politik, Kultur, Kunst, Feminismus und nicht zuletzt Mode zu gleichberechtigten Ressorts ihres Mediums machen. Schnell wird deutlich: Feminismus ist weder unsexy noch hat er auch nur entfernt mit der Ablehnung des männlichen Geschlechts zu tun.

Feministische Rechtswissenschaft

Dieser Zweig der juristischen Ausbildung, in Deutschland noch nicht in vergleichbarem Maße etabliert wie etwa in Skandinavien oder Großbritannien, beschäftigt sich mit der Frage, wie Recht auf das geschlechterspezifische Machtungleichgewicht einwirkt. Der Ausgangspunkt lässt sich dort ausmachen, wo Frauenleben durch das Recht berührt und geprägt werden; die Zielsetzung liegt darin, faktische Gleichheit durch eine gleiche Machtverteilung sowie die gleichberechtigte Teilhabe an materiellen Gütern und Zuweisung von Rechten und Pflichten – sowohl gegenüber dem Staat als auch im Privaten – zwischen den Geschlechtern zu erreichen.
Die Probleme, die hierbei in Erscheinung treten sind vielfältig und greifen durch ihre Bezüge zur Geschichte der Frauenbewegung unter anderem in Bereiche der Soziologie und Politik über.

In Bezug auf frauenfördernde gesetzliche Regelungen liegt ein vieldiskutierter Punkt im sogenannten Dilemma der Differenz. Im Kern geht es dabei um die Behandlung der Frage, inwiefern zwischen den Geschlechtern Gleichheit gegeben ist und wo bzw. in welchem Maße durch Gesetze eingegriffen werden muss, um zumindest formale Gleichheit herzustellen.

Indem eine Frau in einer bestimmten Situation durch Recht gefördert wird, in die sie aufgrund ihres Geschlechts typischerweise gerät (etwa betreffend Schwangerschaft und Mutterschutz) gelten für jede Frau. Insofern werden dadurch nicht nur diejenigen Frauen durch das Recht in Schutz genommen, die tatsächlich diese Regelungen in Anspruch nehmen, sondern durch die (kaum anders zu handhabende) Pauschalisierung durch Recht wird gleichzeitig ein mitunter einseitiges Frauenbild bei einer Vielfalt möglicher Lebensentwürfe festgelegt.

Noch deutlicher wird besagtes Dilemma bei Förderungsmaßnahmen durch Quotenregelungen. Weibliche Kritik erfahren diese häufig, da sich Frauen in eine Art Opferrolle gedrängt fühlen, d.h. der Möglichkeit beraubt werden, sich auch ohne die Festsetzung eines bestimmten Frauenanteils gegenüber der männlichen Konkurrenz durchzusetzen. Auch hier liegt die Ambivalenz darin, durch Maßnahmen, die zur Beseitigung von Ungleichheiten geschaffen wurden, diese im selben Moment zu festigen. Berücksichtigtigen sollte man dabei im letzteren Fall, dass die Quoten dazu gedacht sind, sich eines Tages selbst überflüssig zu machen – letztlich ist dies jedoch ein Argument zwischen vielen, oft kontradiktorischen Positionen.

Inwiefern sollte man Geschlechtergerechtigkeit also durch Gesetze regeln, wo sind Freiräume für mehr Eigenregie zu lassen um eventuell auch hierdurch ein Mehr an weiblicher Freiheit und Chancengleichheit zu ermöglichen? Zweifellos hat die Thematik zumindest weder an Aktualität eingebüßt, noch wäre der Bedarf einer Debatte erschöpft. Neue Impulse sind zudem willkommen in einer Phase, in der auch eine neue Generation die Maxime der Gleichberechtigung für sich entdecken, erkämpfen und definieren muss.

 

read more:

girls on web Feministische Rechtswissenschaft

 

maedchenmannschaft.net // flannelapparel.blogspot.com //

maedchenblog.blogsport.de //

missy-magazine.de //

stadtpiratin.blogspot.com

 

Feministische Rechtswissenschaft – ein Studienbuch. Herausgegeben von Lena Foljanty und Ulrike Lembke, Nomos Verlag

 

Tanja Nitschke – Recht weiblich.

bei forum-recht-online.de

 

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