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Über uns

Arbeitskreis kritischer JuristInnen

Kritisch denken. Hinterfragen. Selbstbestimmt Jura studieren.

Der Arbeitskreis kritischer JuristInnen (AkJ) Heidelberg versteht sich als offene, plurale und am Diskurs orientierte Gruppe von Studierenden an der juristischen Fakultät der Uni Heidelberg und aus anderen Fachrichtungen. Die Themen und Schwerpunkte setzen die aktiven Studierenden selbst. Wir möchten hierarchiefrei, sach- und interessenorientiert arbeiten und so zu einem fruchtbaren Dialog und Miteinander an unserer Fakultät, der Universität, der Gesellschaft und in der Rechtswissenschaft beitragen. Wir setzen uns für eine kritische Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen und der juristischen Ausbildung ein.Uns geht es um Aufklärung und Bildung, die Theorie und Praxis vernetzt und so die sozialen Bezüge des Rechts reflektiert und den kritischen Umgang mit Recht fördert. In Veranstaltung und Diskussionen wollen wir Denkanstöße liefern, neue Informationen geben, über Verhältnisse aufklären und vor allem kritische Beiträge und Anregungen liefern, damit die Auseinandersetzung mit Recht und Rechtswissenschaften ergiebiger, tiefgründiger, interdisziplinärer, hinterfragender, umfassender ist und auch mehr Spaß macht.

Die Rechtswissenschaft beschäftigt sich zu einem großen Teil mit dem geltenden, d.h. zum jetzigen Zeitpunkt bestehenden, durch Gesetzgebung geschaffenen und durch Rechtsprechung und Wissenschaft interpretierten, Recht mit Bezug zur Bundesrepublik Deutschland. Als Jura-StudentInnen lernen wir Vertragsrecht, Staatsrecht, Strafrecht, Baurecht, Handelsrecht und Europarecht, wir lernen was in Gesetzen steht“ und wie wir diese Gesetze in der Praxis „anwenden“.

Doch Rechtswissenschaft bedeutet mehr als das. Das Recht erschöpft sich nicht im Bestehenden und beschränkt sich nicht auf den momentanen Bestand an Gesetzen und deren Interpretation durch die Rechtsprechung und Literatur. Integraler Bestandteil jeder Wissenschaft ist es, auch die eigene Disziplin und die eigene Materie zu hinterfragen, weiterzudenken und neue Modelle zu entwerfen. Rechtsgeschichte erklärt, wie sich das Recht historisch entwickelt hat. Rechtsvergleichung ermöglicht den Blick über den deutschen Tellerrand und analysiert, wie andere Rechtsordnungen an Probleme herangehen und ihr Recht systematisieren Rechtssoziologie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Recht und Gesellschaft, die Juristensoziologie fragt danach, wer Jura studiert und welche Personenkreise hohe juristische Positionen einnehmen. Rechtsphilosophie stellt die Grundfragen über Gerechtigkeit, Sinn und Zweck von Recht. Andere Wissenschaften haben ganz andere Blickwinkel auf das Recht. Recht fällt nicht vom Himmel, sondern es ist meistens das Resultat politischer Auseinandersetzungen, von Kompromissen, von Traditionen und von gesellschaftlichen Vorstellungen. Überspitzt gesagt: Recht ist der Ausdruck der im Moment herrschenden Verhältnisse. Diese zu hinterfragen und Strategien progressiver Veränderungen und alternativer Konzepte zu entwickeln, auch das ist Gegenstand von Rechtswissenschaft.

Die Rechtswissenschaft schafft sich ihre eigene Sprache. Wer am Anfang des Studium das BGB aufschlägt, wird sich wundern. Wer meint, die Zeit des Vokabellernens in der Schule sei vorbei, täuscht sich. Dass der Tod eines Menschen, der „Erfolg“ eines Mordes sein soll, leuchtet nicht unmittelbar ein. Bestimmheitsgebot und Rechtssklarheit gelten  für JuristInnen, für juristische Laien ist die Rechtssprache schier undurchschaubar. Nun ist Recht keine reine Materie von (abgehobener) Wissenschaft, sondern es betrifft uns alle und es betrifft alle, die uns tagtäglich über den Weg laufen. Das Jura-Studium lehrt uns, die Frage „Was sagt das Gesetz?“ zu beantworten bzw. eine schlüssige, im Rechtssystem verankerte, Interpretation dessen zu präsentieren. Die Fragen „Was bewirkt das Gesetz?“, „Wie entsteht das Gesetz?“, „Warum gibt es das Gesetz?“, „Welche alternative gesetzliche und nicht-gesetzliche Möglichkeiten sind vorhanden?“, sind oft nur Materie des Grundlagenscheins, vielleicht der ersten Vorlesungsstunde oder manch interessanten Seminars im Schwerpunkt. Warum es Pflicht-Vorlesungen zum öffentlichen Baurecht, zum Handelsrecht und zur Zwangsvollstreckung, nicht aber zu den Grundfragen von Recht, Gerechtigkeit und Gesellschaft gibt, leuchtet vor dem Hintergrund der massiven Bedeutung von Recht für gesellschaftliche Fragen und Antworten nicht ein.

Der Arbeitskreis kritischer JuristInnen möchte nicht (nur) das Bestehende kritisieren. Er möchte zu einem offenen und auch kontroversen Diskurs an unserer Fakultät und in der Rechtswissenschaft beitragen, gängige und eingebürgerte Modelle hinterfragen, den Blick über den juristischen Tellerrand ermöglichen und einen Freiraum für Lehrende und Lernende schaffen, um über Grundfragen, interessante Details und neue Lösungsansätze zu diskutieren. Wissenschaft lebt von Kontroversen und von der Kritik. Kurz gesagt: Jura studieren sollte mehr sein als die Meinung des BGH abrufbar im Kopf zu haben.

Als angehende Juristinnen und Juristen haben wir eine große gesellschaftliche und persönliche Verantwortung. Wenn wir das Recht durchdrungen haben können wir es für eigene und fremde Interessen einsetzen oder wir können stets versuchen unser Wissen in einem demokratischen und kritischen Bewusstein zu nutzen. Es liegt an uns, ob wir uns dieser Aufgabe stellen möchten. Der AkJ soll dazu ein Forum bieten. Ein Forum für alle Studierenden, Lehrenden und Forschenden der Rechtswissenschaft und anderer Fachrichtungen.

Wir suchen die direkte Kooperation mit anderen studentischen Gruppen, Praktikern, dem Mittelbau, der Professorenschaft, zivilgesellschaftlichen Gruppen in Heidelberg und anderswo.

Darüber hinaus möchten wir durch den AkJ Studierende ermutigen, ihren eigenen, selbstbestimmten Weg durch das Jura-Studium zu finden. Immer wieder fragt man sich im Studium, ob man das richtige Fach gewählt hat, ob man nicht ins Jura-Studium passt oder ob man wirklich den Weg gehen sollte, den scheinbar alle gehen. Auch hierzu möchte der AkJ praktische Tipps geben und Gespräche ermöglichen. Examen ohne Repetitor, Vorlesungen und Scheine in anderen Fachgebieten, politisches und soziales Engagement, eigene Akzente und selbstbestimmtes Lernen: all das ist möglich.

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